
CONNECT! Empathie mit Mensch, Planet und Zukunft.
Mit großer Neugier und Offenheit startete die 22. BNE-Sommerakademie im Seminarhotel Wesenufer in Oberösterreich. Rund 60 engagierte Pädagog:innen und Bildungsgestalter:innen kamen zusammen, um Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Empathie und Herzblut erlebbar zu machen.
Zum Auftakt: Die Architektur der Verbundenheit
Nach einer Begrüßung durch Abteilungsleiterin Eva Dvorak vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie den Moderatorinnen Doris Pleyer und Martina Affenzeller nahm Cornelia Mooslechner-Brüll die Teilnehmer:innen in ihrer Keynote mit auf eine philosophische Reise. Diese umfasste die vier Stationen Funke der Empathie, Kompass des Mitgefühls, Fundament der Solidarität und Neue Verbundenheit und Selbstwirksamkeit.
Cornelia versteht Empathie als eine kurzfristige emotionale Verschmelzung mit anderen, wie ein Funke, während Mitgefühl eine bewusste und reflektierte persönliche Haltung sei und damit dauerhafter. Solidarität hingegen beschriebe den gemeinsamen Schutz von Personen in einem großen sozialen Gefüge, denen man nicht persönlich begegnete, aber trotzdem Mitgefühl angedeihen lassen will, und zwar durch strukturelle Verankerung. Verbundenheit und Selbstwirksamkeit ließen uns spüren, dass wir in großen Netzwerken von Menschen und nicht-menschlichen Wesen eingebunden seien. In pädagogischen Kontexten könnten wir die Aufmerksamkeit der Lernenden mit unterschiedlichen Wahrnehmungsübungen und Reflexionen so schulen, dass diese vier Ebenen ersichtlich würden und zu einem fairen Miteinander beitrügen.
In Kleingruppen lernten die Teilnehmenden bei wohlwollendem Hypothetisieren einander näher kennen, reflektierten das Gehörte, teilten Erlebnisse zu echtem Mitgefühl und seinen Grenzen im Bildungskontext in Kleingruppen und in einer Fish-Bowl.



Workshops, die bewegten und berührten
Tagsüber bot das Programm vier vielfältige und praxisnahe Workshops, am Donnerstag in einer ganztägigen Langversion, am Freitag in einer halbtägigen Kurzversion.
Innere Stärke entwickeln
„Liebe beginnt mit Wahrnehmung. Oder hast du schon mal jemanden geliebt, ohne die Person bemerkt zu haben?“ Im Workshop von Tobias Schabetsberger ging es um psychische Resilienz und Handlungsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels. Der Workshop umfasste Achtsamkeits- und Meditationsübungen, wissenschaftlichen Input und persönliche Geschichten zum Thema Selbstmitgefühl und Achtsamkeit. Unter Achtsamkeit versteht Tobias die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt verbunden mit einer nicht urteilenden Haltung. Neben achtsamem Sprechen und Zuhören übten die Teilnehmenden, ihr Fürsorge-, Alarm- und Belohnungssystem in Balance zu bringen. Weiters wurden Einfluss- und Betroffenheitsgrenzen unterschieden, innere Kritiker:innen beleuchtet und stets die Frage gestellt: „Wie würdest du mit einem Freund/einer Freundin umgehen?“ Der Einsatz vieler Übungen und Inhalte im Bildungskontext, z.B. mit Schüler:innen, wurde besprochen und Materialien zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt.
Die Kunst der Verbindung
In seinem Workshop lud Christian Lechner die Teilnehmenden dazu ein, zu erleben, wie entscheidend achtsame Kommunikation und echte Verbindung für gelingende Bildungs- und Veränderungsprozesse sind. Ausgehend von der Haltung „Connect before you educate“ erforschten sie gemeinsam, was nötig ist, damit sich Menschen gehört fühlen, Vertrauen entstehen kann und unterschiedliche Perspektiven in einen echten Dialog treten. Nach einem erlebnisorientierten Einstieg gab es Impulse zu Kommunikationsblockaden, empathischem und achtsamem Zuhören sowie Gewaltfreier Kommunikation. Dabei stand vor allem das praktische Erleben im Mittelpunkt, denn Verbindung muss erlebt und eingeübt werden. Zeit und Raum für gemeinsames Ausprobieren, den Austausch von Erfahrungen und die Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens sind wichtige Voraussetzungen, um auch in herausfordernden Situationen präsent, empathisch und klar bleiben zu können.
Planet. Zukunft. Wir.
In ihrem Workshop zu Systemdenken und Bodenschutz führten Samira Weiss-Bouslama und Anna Streissler die Teilnehmenden in einem Theory-U-Prozess zu einem inter- und transdisziplinären Verständnis von Systemen und Transformationsprozessen. Die Teilnehmenden erarbeiteten spielerisch zentrale Aspekte von biologischen und sozialen Systemen, lösten Fallgeschichten zu ökologischen, gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten von Boden und brachten Probleme und Problemlösungen in diesen vier Themenbereichen in kleinen Theaterszenen auf die Bühne. Sie setzten sich außerdem mit persönlichen und systemischen Widerständen und Hindernissen bei Transformationsprozessen auseinander und hinterfragten die anthropozentrische Sichtweise auf unsere Welt. In einem Ritual befassten sie sich mit ihrem persönlichen Beitrag zu Bodenschutz und nachhaltiger Transformation. Dies alles passierte in einem Brave Space, in dem eine Auseinandersetzung mit eigenen Unsicherheiten und Ängsten möglich war. Auf einer Metaebene reflektierten die Teilnehmenden zum Schluss, wie sie die Methoden in ihrem Bildungsalltag einsetzen könnten.
Futures Literacy
Wie können wir Zukunft als gestaltbaren Möglichkeitsraum denken und auch unter unsicheren Bedingungen handlungsfähig bleiben? Der Workshop zu Futures Literacy verband drei Perspektiven auf Zukunftskompetenz: Zukunft denken, Informationsräume verstehen und Zukunft erzählen. Katharina Ehrenmüller lud dazu ein, eigene Zukunftsbilder zu hinterfragen und statt Optimismus oder Pessimismus eine Haltung der kritischen Zuversicht und des Possibilismus zu entwickeln: Was ist unter den gegebenen Bedingungen möglich? Mit dem Future Ability Framework reflektierten die Teilnehmenden außerdem eigene Entwicklungspotenziale und die Zukunftsfähigkeit von Organisationen. Im zweiten Teil vermittelte Vivian Lösch Grundlagen zu Desinformation und Informationsmanipulation. Im „Desinformation Situation Room“ entwickelten die Teilnehmenden spielerisch eine eigene Kampagne und setzten sich anschließend mit konkreten Möglichkeiten auseinander, wie Desinformation erkannt und wie ihr begegnet werden kann. Zum Abschluss zeigte Daniel Gawlowski, wie Storytelling dabei helfen kann, positive Zukunftsnarrative zu entwickeln. Wesentliche Elemente guter Geschichten – von der Charakterentwicklung bis zum dramaturgischen Aufbau – wurden spielerisch erprobt und dabei das Handwerkszeug für das Erzählen positiver Zukunftsgeschichten vermittelt.
Umfangreiches Rahmenprogramm
Der „Markt der Möglichkeiten“ bot am Mittwochabend Möglichkeiten zum Austausch zwischen Referent:innen, Teilnehmer:innen und dem Forum Umweltbildung zu Projekten, Materialien und neuen Denkansätzen.
Verbinden, Feiern und Stärken stand am Donnerstagabend am Programm, u.a. mit einer Imaginationsreise, einem Abendspaziergang zu zweit und einem spontanen Tanzprogramm.

Um die Reflexion und den Transfer in die eigene Arbeitswelt zu fördern, wurde am dritten Tag eine Rückschau auf die letzten Tage unternommen sowie ein „Ernte-Bingo“ gespielt. Im mutmachenden Abschlusskreis wurden Verbindung, Feiern und Stärken noch einmal spürbar.
Green Meeting & inklusive Gestaltung

Klimafreundlich, achtsam und offen – die BNE-Sommerakademie 2026 orientierte sich an den Anforderungen des Österreichischen Umweltzeichens für Green Meetings. Das von pro mente Oberösterreich geführte Seminarhotel Wesenufer ist ein Inklusionsbetrieb und bot mit dem besonders herzlichen Service und dem köstlichen vegetarischen und veganen Essen den idealen Rahmen. Die Anreise wurde bewusst auf umweltfreundliche Optionen wie Bahn oder Fahrgemeinschaften gelegt, ergänzt durch ein Shuttle. Barrierefreie Räume ermöglichten allen aktiven Zugang und Teilnahme.
Eine Stimmung, die weit über die Veranstaltung hinaus wirkt
Die Kombination aus kollegialem Austausch, kreativem Arbeiten und handfesten Methoden machte die Veranstaltung zu einer besonderen Weiterbildung – getragen von Mitgefühl, Verbundenheit und Mut. In diesem Geist kehrten die Teilnehmer:innen gestärkt in ihren Bildungsalltag zurück – mit vielen Impulsen, konkreten Ideen und dem Gefühl: Empathie und Mitgefühl sind wesentlich für gelungene Bildungsprozesse und machen tiefgreifende Transformationen erst möglich.

BNE-Online-Akademie
Bereits im Oktober 2026 könnt ihr nochmals entdecken, welches Potential Empathie für Mensch, Planet und Zukunft im pädagogischen Alltag bietet, und zwar bei der BNE-Online-Akademie. Sie findet am 15. Oktober 2026 von 15:00 bis 19:00 Uhr statt. Die Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt, die Anmeldung zur BNE-Online-Akademie ist bis 11. Oktober möglich. Meldet euch rasch an, wir freuen uns auf euch!










































