
Ausgehend von der Volksbefragung zum Windkraft-Verbot in Kärnten beinhaltet diese Doppelstunde ein Planspiel über die Errichtung eines Windparks in einer fiktiven Gemeinde. Gemeinsam wird eine Diskussion zwischen verschiedenen Interessensgruppen durchgeführt. Im Zentrum stehen dabei auch die Verbindungen zu den politisch-gesellschaftlichen Dimensionen einer solchen Diskussion, zu Demokratie und Mitsprache.
Die Lehrperson zeigt mittels Beamer Ausschnitte eines Artikels zur Volksbefragung in Kärnten zum Verbot weiterer Windkraftanlangen. Gemeinsam wird diskutiert, welche Stakeholder im Artikel zu Wort kommen bzw. wessen Meinungen angeführt werden (Politik, Wirtschaft, Umweltorganisationen etc.) und welche Vor- und Nachteile eine solche Volksbefragungen mit sich bringen kann (Volksbefragungen sind im Vergleich zu Volksabstimmungen rechtlich nicht bindend etc.).
M03_Informationen zum Artikel für LP
Anschließend erhalten alle Lernenden eine kurze Rollenbeschreibung. Lernende mit derselben Rolle finden sich in Teams zusammen.
Jedes Team erhält einen kurzen Infotext zur jeweiligen Interessensgruppe. Zudem erhalten sie folgende Diskussionsfragen:
- Wie lauten die Position und das Ziel eurer Gruppe? Welche Argumente kann eure Gruppe bei der Diskussion vorbringen?
- Wie kann mit gegensätzlichen Meinungen und Argumenten umgegangen werden? Stellt Kommunikationsregeln für eine konstruktive Diskussion auf!
Die Gruppe der Moderation erhält den Ablauf der Diskussion, die sie anleiten wird (s. Phase 4) und macht sich Gedanken zu folgenden Fragen:
- Was kann das Ziel der Diskussion sein? Was zeichnet eure Position als Moderatoren und Moderatorinnen aus?
- Wie kann mit konträren bzw. inhaltlich falschen Wortmeldungen umgegangen werden? Wie kann die Diskussion gut und respektvoll geleitet werden?
Die Lernenden können sich ggf. Notizen machen.
M04_Gruppenbildung
M05_Rollen- und Meinungskarten
Im Plenum werden nun basierend auf den Überlegungen der Kleingruppen gemeinsam 6 – 8 Regeln aufgestellt, die für alle Gültigkeit haben, um die Diskussion konstruktiv und respektvoll durchführen zu können.
Beispiel:
- Alle zu Wort kommen lassen (Mitsprache).
- Sich nicht über andere lustig machen, Aussagen nicht bagatellisieren. Respektvolle Wortwahl.
- Versuchen, die Position des Gegenübers zu verstehen.
Die Regeln werden von der Lehrperson für alle sichtbar auf der Tafel notiert.
Die Tische und Stühle werden so arrangiert, dass mittig ein freier Platz entsteht für die Vertreter und Vertreterinnen der Interessensgruppen. Die verbleibenden Stühle werden für die Beobachtenden in einem Kreis rundherum aufgestellt.
Pro Gruppe werden 1 – 2 Vertreter:innen ausgewählt (entweder von der Gruppe selbst oder durch die Lehrperson). Von der Gruppe der Moderation wird 1 Person als Vertretung gewählt.
Nun beginnt die Diskussion zwischen den Vertretern und Vertreterinnen der unterschiedlichen Gruppen. Die übrigen Lernenden bekommen die Aufgabe, die Diskussion genau zu beobachten (Tonfall, Redeanteil, Inhalte, respektvoller Umgang etc.)
Ablauf (ähnlich dem ZDF-Format „13 Fragen“):
- Kurze Selbstvorstellung der Interessensgruppen
- Erste Selbsteinteilung der Interessensgruppen in Pro- und Contra-Windpark (Aufstellung gegenüber)
- Hauptdiskussion: Wenn jemand mit einer Aussage bzw. einem Argument der Gegenseite übereinstimmt, wird ein Schritt nach vorne gemacht, d.h. auf die Gegenseite zugegangen.
- Ziel ist es, dass so viele Vertreter und Vertreterinnen der beiden Seiten so nahe wie möglich aufeinander zugehen, was durch die Aufstellung visuell ersichtlich wird.
- Kompromissrunde: Die Pro- und Contra-Seite überlegen sich jeweils gemeinsam Lösungsansätze bzw. Kompromisse, die dann der jeweiligen Gegenseite präsentiert werden. In dieser Phase können auch die Beobachtenden ihren Teams Input geben. Das Ziel der Kompromissrunde ist es, sich auf möglichst viele gemeinsame Schritte für die Zukunft zu einigen.
Während der Diskussion kann die Lehrperson als „Joker“ von der Moderation herangezogen werden, falls nicht klar ist, ob es sich bei einem Argument um eine Falschaussage handelt (s. M01_Hintergrundinfo).
Im Plenum wird sowohl der Diskussionsablauf als auch das Format reflektiert und mit politischen Systemen in Verbindung gebracht.
Mögliche Leitfragen:
- Wurden die vereinbarten Gesprächsregeln eingehalten?
- Wo lag das meiste Konfliktpotenzial in der Diskussion?
- Wie steht es um die Mitsprache der Bevölkerung in verschiedenen politischen Systemen?
- Wie können wir in einer Demokratie von unserem Mitspracherecht Gebrauch machen?
Kompetenzorientierte Lernziele
• Die Lernenden führen einen Perspektivenwechsel durch.
• Die Lernenden schulen ihre Kommunikationskompetenzen.
• Die Lernenden reflektieren über die politisch-gesellschaftliche Dimension von Mitsprache in einer Demokratie im Vergleich zu anderen Regierungsformen.
• Die Lernenden begreifen Demokratie als wertvolles Gut unserer Gesellschaft.
Konnex zum Lehrplan
Geographie und wirtschaftliche Bildung (2. Klasse):
Kompetenzbereich Nachhaltiger Umgang mit Energie und Ressourcen
- Die Schülerinnen und Schüler können die Nutzung erneuerbarer und nicht erneuerbarer Energieträger vergleichen und aus den Blickwinkeln von Klimawandel und Nachhaltigkeit reflektieren;
Übergreifende Themen für AHS Sekundarstufe I & II:
7. Politische Bildung
[…] Ein grundlegendes Ziel der Politischen Bildung besteht darin, „die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen“ (Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung, 2010). Politische Bildung stellt kontroverse Themen in der Gesellschaft auch als kontrovers im Unterricht dar, vermeidet jede Form der Indoktrination und hat die politisch selbstbestimmte Bürgerin den politisch selbstbestimmten Bürger als Ziel vor Augen. […]
Politische Bildung […]greift aktuelle politische Fragestellungen (zB Klimagerechtigkeit, Nachhaltiges Leben und Wirtschaften, Umweltschutz, Migration) auf und setzt sich mit den vielen Facetten politischer Kommunikation im Rahmen des Unterrichts (zB Debattierclub, Rollen- und Planspiele, Kinder- und Jugendparlament) auseinander. […]
11. Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung
Die Verschwendung natürlicher Ressourcen, der Verlust der Biodiversität und die Folgen des Klimawandels gefährden die Lebensgrundlagen der gegenwärtigen und der künftigen Generationen und verlangen ein verantwortungsbewusstes Handeln. Umweltbildung will Kompetenzen und Haltungen zur demokratischen Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern, in der Ressourcenschonung und Verteilungsgerechtigkeit wichtige Anliegen sind. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, im Spannungsfeld von individuellen und gesellschaftlichen sowie ökologischen und ökonomischen Interessen verantwortungsvoll urteilen und handeln zu können.
[…] Geeignete Methoden sind vor allem Naturbegegnung, Projektunterricht, forschendes und entdeckendes Lernen und die Durchführung von Rollen-, Plan- sowie Simulationsspielen. Neben dem Verständnis für Ökosysteme sind verstärkt Fragestellungen einzubeziehen, die sich an den Interessen der Schülerinnen und Schüler und dem aktuellen Tages- und Weltgeschehen orientieren. Als Kernthemen werden ua. Artenvielfalt und -schutz; Klimawandel und -schutz; Lebensräume und deren Vernetzung und Schutz von Boden, Wasser, Luft, Wäldern und Meeren; nachhaltige und sozial gerechte Ressourcen- und Energienutzung; Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Abfall und Emissionen; Recycling; Ernährung und verantwortungsvoller Konsum gesehen.
Auszug aus dem Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schulen (5. Bis 8. Klasse) und aus den Lehrplänen des Gymnasiums, des Realgymnasiums und des wirtschaftskundlichen Realgymnasiums für Berufstätige:
Geschichte und Politische Bildung
Beiträge zu den Bildungsbereichen
- Aufbau einer demokratischen Gesprächs- und Kommunikationskultur
- Kollektivismus versus Individualismus
- nachhaltige Auswirkungen von Eingriffen in die Natur
Quelle: Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schule . Unter www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568 (Zugriff: 10.12.2024).
Quellen
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2025)