
Wie hängen Wohnen, Ressourcenverbrauch und soziale Gerechtigkeit mit Energiearmut zusammen? Nach einem Einstieg mit Bildkarten, analysieren die Lernenden Merkmale von Wohnkomfort und Energieeffizienz und unterscheiden zwischen selbst beeinflussbaren Faktoren und äußeren Rahmenbedingungen. In Gruppen entwickeln sie eine Checkliste, um Energiearmut beim Wohnen vorzubeugen, und formulieren anschließend eine Petition an politische Entscheidungsträger:innen. Eine gemeinsame Reflexion schließt die Einheit ab.
Bildkarten zu Wohnen und Energie
Die Lehrperson legt Bildkarten (M01) auf (z. B. undichtes Fenster, Person mit Kuscheldecke, hohe Stromrechnung) und fragt die Lernenden, was sie sehen und mit welchem Thema das zu tun haben könnte. An der Tafel sammelt sie Begriffe wie Kälte, Schimmel, hohe Kosten, defekte Heizung, Sorgen, Gesundheit, Armut. Dann führt sie den Begriff Energiearmut ein.
Wohnkomfort und Energieeffizienz erkennen
Die Lernenden bearbeiten M02 in Partnerarbeit (10‘). Die Lehrperson sammelt Ergebnisse und strukturiert sie an der Tafel in zwei Spalten (10‘):
a) Wohnkomfort
b) Energieeffizienz/Energiekosten
Die Lehrperson weist hin: Nicht alles liegt in der Hand der Mieter:innen. Manche Dinge können sie auswählen oder beachten, vieles hängt aber vom Gebäude, von den Vermieter:innen oder von politischen Rahmenbedingungen ab. Schauen wir uns zunächst an, was wir als Mieter:innen bezüglich Wohnen und Energie beachten können.
Checkliste zu Wohnen und Energie erstellen
In Kleingruppen erstellen die Lernenden zu unterschiedlichen Themenbereichen (z. B. Lage und Zustand, Fenster und Dämmung, Heizung, Warmwasser) Elemente für eine Checkliste (20‘). Die Lehrperson führt mit den Lernenden die Checkliste zusammen (20‘). (Das Ergebnis könnte ähnlich ausschauen wie ENERGIEKOSTEN-CHECK FÜR DIE WOHNUNGSSUCHE der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut KEA.)
Diese Checkliste kann helfen, Energiearmut vorzubeugen. Manche Menschen können sich aber gar nicht aussuchen, in welcher Wohnung sie leben. Und manchmal ergibt sich Energiearmut durch die Veränderung von privaten oder wirtschaftlichen Umständen. In diesem Fall gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten, z. B. Energieberatung, Mietervereinigung, Schuldnerberatung, Wohnbeihilfe, Hilfsangebote vom Bundesland oder von Sozialorganisationen.
Wenn Gebäude schlecht saniert, Heizsysteme veraltet oder Mietbedingungen unfair sind, braucht es aber grundsätzliche Veränderungen auf einer höheren Ebene, nämlich der Politik.
Petition
Die Lernenden verfassen eine kurze Petition an politische Entscheidungsträger:innen, in der sie das Problem Energiearmut kurz erklären und drei bis fünf Forderungen formulieren, die auf politischer Ebene umgesetzt werden sollen.
Die Lehrperson reflektiert die Unterrichtseinheit mit den Lernenden mit folgenden Fragen:
- Was hat dich heute überrascht?
- Was war neu für dich?
- Was kann man selbst beachten?
- Was muss sich politisch oder gesellschaftlich ändern?
Kompetenzorientierte Lernziele
• erkennen, dass Energiearmut mit Wohnen, Energiekosten, Wohnqualität und sozialen Bedingungen zusammenhängt.
• beurteilen verschiedene Wohnsituationen hinsichtlich Wohnkomfort, Energieeffizienz und Kostenrisiken.
• unterscheiden zwischen individueller Verantwortung und strukturellen Ursachen von Energiearmut.
• entwickeln gemeinsam eine Checkliste für energiebewusstes und vorausschauendes Wohnen.
• verfassen eine Petition und nehmen so politische Mitgestaltung als Möglichkeit wahr.
Konnex zum Lehrplan
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung will Kompetenzen und Haltungen zur demokratischen Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern, in der Ressourcenschonung und Verteilungsgerechtigkeit wichtige Anliegen sind. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, im Spannungsfeld von individuellen und gesellschaftlichen sowie ökologischen und ökonomischen Interessen verantwortungsvoll urteilen und handeln zu können.
Kompetenzziele Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung am Ende der 8. Schulstufe:
„Die Schülerinnen und Schüler können
das Zusammenwirken von ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren bei Umweltproblemen verstehen und mögliche Lösungsvorschläge ableiten;
die Bedeutung des Einsatzes ressourcen- und umweltschonender sowie sozial verantwortlicher Verfahren, Produkte und Dienstleistungen in Beruf und Wirtschaft erkennen und sich mit gegensätzlichen Interessen und deren Auswirkungen auseinandersetzen; […]“
Politische Bildung
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. […] Politische Bildung stellt kontroverse Themen in der Gesellschaft auch im Unterricht als kontrovers dar, vermeidet jede Form der Indoktrination und vermittelt ein Verständnis für lokale sowie globale Zusammenhänge und Probleme der Menschheit.
Kompetenzziele Politische Bildung am Ende der 8. Schulstufe
„Die Schülerinnen und Schüler können
verschiedene politische Ideen und Konzepte wie z. B. […] Gerechtigkeit […] verstehen und bewerten;
wesentliche politische Fragestellungen wie z. B. Gerechtigkeit, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und demokratische Willensbildung aufgreifen, deren globale Aspekte erkennen und ihre Bedeutung verstehen;
unterschiedliche gesellschaftliche Strukturen, Machtverhältnisse, Interessen und Wertvorstellungen beschreiben sowie im Hinblick auf eigene Auffassungen bewerten;
verantwortlich an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen im eigenen Lebens- und Erfahrungsbereich teilnehmen, demokratische Lösungen finden und sich damit selbst als aktiv Handelnde in der Gestaltung von Demokratie vertreten und erleben […]“
Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände
Geographie und wirtschaftliche Bildung (2. Klasse):
Kompetenzbereich Nachhaltiger Umgang mit Energie und Ressourcen
„Die Schülerinnen und Schüler können die Nutzung erneuerbarer und nicht erneuerbarer Energieträger vergleichen und aus den Blickwinkeln von Klimawandel und Nachhaltigkeit reflektieren;“
Quelle: Lehrplan der Volksschule. Unter www.ris.bka.gv.at (Letzter Zugriff: 22.04.2026).
Quellen
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband 2026, Hintergrundinformation Energiearmut, unter: https://umweltbildung.at/praxismaterial/hintergrundinformationen-energiearmut
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2026).