© Canva/Forum Umweltbildung


In dieser Übung setzen sich Lernende aktiv mit demokratischen Werten wie Mitbestimmung, Fairness, Kommunikation und Kompromissbereitschaft auseinander. Im Rahmen einer Kooperationsübung erleben sie spielerisch, wie Zuhören, Aushandeln, Delegieren und gemeinsame Entscheidungen funktionieren. Die abschließende Reflexion ermöglicht die Erfahrungen auf den schulischen und alltäglichen Kontext zu übertragen.

ABLAUF
PHASE 1
15 Minuten
Brainstorming

Um auf die Übung einzustimmen, erhebt die Lehrperson gemeinsam mit den Lernenden Werte von demokratischer Zusammenarbeit (lpb Landeszentrale für politische Bildung Baden – Württemberg) und schreibt diese an die Tafel. Diese Werte werden demokratischen Bereichen zugeordnet.

Mögliche Bereiche:

  • Mitbestimmung/Partizipation
  • Kommunikation/Dialogfähigkeit
  • Fairness/Gerechtigkeit
  • Vertrauen/Transparenz
  • Kompromissbereitschaft
PHASE 2
15 Minuten
Gemeinsam zum Ziel – Demokratie durch Kooperation erfahren - Vorstellung

Ziel der Übung ist es in allen Kleingruppen (je 5 Personen) genau dasselbe Bild aus dem Material zu gestalten und zu legen.

Dafür erhalten alle Kleingruppen dasselbe Material, je fünf A4 Papiere und eine Schere, aus dem sie im Rahmen der Umsetzungsphase fünf Flächen (1 Viereck, 1 Dreieck, 2 Rechtecke und 2 Kreise) ausschneiden sollen.
In jeder Kleingruppe soll aus diesen fünf Flächen – nach Abstimmung mit den anderen Kleingruppen – dasselbe Bild gelegt werden.

Dabei gelten folgende Regeln (siehe auch Arbeitsblatt zum Ausdrucken für die Lernenden):

    1. Aus den Papieren müssen folgende Flächen für das Bild ausgeschnitten werden:
      – 1 Viereck
      – 1 Dreieck
      – 2 Rechtecke
      – 2 Kreise
    2. Es dürfen nur die vorgegebenen Materialien verwendet werden.
    3. Nur in den Besprechungsphasen dürfen die Absprachen zur Umsetzung zwischen den Kleingruppen stattfinden. Diese finden außerhalb der Klasse statt.
    4. Bei jeder Besprechungsphase muss eine Person pro Kleingruppe teilnehmen.
    5. Bei jeder Besprechungsphase muss eine andere Person aus der Kleingruppe teilnehmen.
    6. Die einzelnen Kleingruppen dürfen nur flüstern/ leise sprechen.
    7. Die Besprechungsphasen werden von der Lehrperson immer nach zwei Minuten eingeleitet und dauern zwei Minuten.
    8. Insgesamt dauert die Aufgabe 22 Minuten, es gibt 10 Minuten Besprechungszeit und 12 Minuten Legezeit

Optional: Die Person aus der Besprechungsphase darf die erhaltenen Informationen nur einmal der Kleingruppe mitteilen.

Die Kleingruppen arbeiten einander den Rücken zugewandt an Tischen, möglichst weit voneinander entfernt, z.B. in den Ecken der Klasse und in der Raummitte.

Downloads für diese Phase:
M01: Eure Aufgabe-Gemeinsam zum Ziel
PHASE 3
35 Minuten
Gemeinsam zum Ziel – Demokratie durch Kooperation erfahren - Durchführung

Die Lehrperson verteilt die Materialien an die Kleingruppen und startet die Übung mit der Zeitvorgabe von 25 Minuten. Die Kleingruppen haben nun zwei Minuten Besprechungszeit, nach dieser Zeit informiert die Lehrperson, dass nun aus jeder Kleingruppe eine Person zur Besprechungsphase außerhalb der Klasse gehen soll. Die Besprechungsphase wird nach zwei Minuten von der Lehrperson gestoppt und die Personen zurück zu ihrer Kleingruppe geschickt.

Nach Ablauf der 25 Minuten wird die Übung von der Lehrperson gestoppt und die Ergebnisse gemeinsam betrachtet.

PHASE 4
25 Minuten
Reflexion

Die Lernenden reflektieren die Übung als Paare (Personen jeweils aus verschiedenen Kleingruppen). Die Lehrperson lädt ein, relevante Erkenntnisse im Plenum zu teilen.

Mögliche Reflexionsfragen:
Wahrnehmung & Empfindung

  • Wie hast du dich während der Übung gefühlt?
  • Wie war es für dich, beim Bauen des Bildes nur mit den Informationen der Person aus der Besprechungsphase zu arbeiten?
  • Welche Gefühle hattest du als Repräsentantin oder Repräsentant in der Besprechungsphase? War es leicht oder schwierig, Informationen weiterzugeben und aufzunehmen?

Prozess des Aushandelns – Demokratie

  • Welche Entscheidungen musstet ihr in den Gruppen treffen? Wie ähnlich ist das dem, was in einer Demokratie passiert?
  • Wo musstet ihr Kompromisse finden?
  • Woran erkennt man, dass Kompromisse ein Teil demokratischer Zusammenarbeit sind?

Repräsentation

  • Was macht eine „gute“ Repräsentantin oder einen „guten“ Repräsentanten aus, damit Demokratie funktioniert?

Kommunikation, Zuhören & Transparenz

  • Wie zeigt sich in der Art, wie wir miteinander kommunizieren, wer mehr oder weniger Macht hat – und welche Auswirkungen hatte das auf eure Zusammenarbeit in der Übung?
  • Welchen Einfluss hat Kommunikation in einer Demokratie?

Vertrauen und Verantwortung

  • Welche Auswirkungen hatte Vertrauen (oder Misstrauen) auf die Zusammenarbeit?
  • Was braucht es in einer Demokratie, damit Menschen Verantwortung übernehmen?

Demokratische Prinzipien/Transfer

  • Welche Parallelen kannst du zwischen der Übung und demokratischen Situationen in der Schule ziehen? (z. B. Klassensprecherinnen- oder Klassensprecherwahl, Gruppenentscheidungen, Projekte)?
  • Wie zeigt sich, dass Mitbestimmung, Vertrauen und Absprachen wichtig sind, um gemeinsame Ziele zu erreichen?

Abschlussfragen

  • Was zeigt uns die heutige Übung über die Bedeutung von Absprachen in einer Demokratie?
  • Was bedeutet es für euch persönlich, ein Teil einer demokratischen Gemeinschaft zu sein?

 

Kompetenzorientierte Lernziele
Die Lernenden wenden demokratische Prinzipien (Absprachen treffen, Informationen weitergeben, Entscheidungen teilen) praktisch an.
Die Lernenden üben respektvoll zu kommunizieren, Meinungsverschiedenheiten konstruktiv zu lösen und demokratische Entscheidungsformen anzuwenden.
Die Lernenden reflektieren ihr eigenes Verhalten und übertragen die Erfahrungen der demokratischen Zusammenarbeit auf Alltagssituationen.
Konnex zum Lehrplan
Auszug aus dem Lehrplan für allgemeinbildenden höheren Schulen.

1. Kompetenzorientierung als pädagogische Grundlage des Lehrplans
[…] sind unter Kompetenzen längerfristig verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verstehen, die von Schülerinnen und Schülern entwickelt werden und die sie befähigen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen. […]

2. Kennzeichen kompetenzorientieren Unterrichts
Kompetenzorientierung verlangt ein besonderes Verständnis von Unterricht. Lernen wird als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden, bei dem die Motivation und Willenskraft und die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, sowie Zielvorgaben zu übernehmen, eine wichtige Rolle spielen. […]
Kompetenzorientierter Unterricht ist dadurch gekennzeichnet, dass […]
- Aufgabenstellungen im Lernprozess eingesetzt werden, die den Erfahrungen und der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler entsprechen;
- die aktive Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem jeweiligen Thema angestrebt wird (kognitive Aktivierung);
- handlungs- und anwendungsorientiert gelehrt wird, indem erworbenes Wissen zur Lösung von Problemen und zur Bewältigung von Anforderungssituationen genutzt wird; […]
- es eine Kultur der Selbstreflexion gibt, die den Schülerinnen und Schülern ihre erworbenen Kompetenzen bewusstmacht und ihre Lernmotivation weiter fördert; […]
- Schülerinnen und Schüler zu kritischem Denken angeregt werden.

Übergreifende Themen für AHS:

7. Politische Bildung

7.1 Bedeutung des übergreifenden Themas
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. […] Ein grundlegendes Ziel der Politischen Bildung besteht darin, „die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen“ (Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung, 2010).

Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände.

Geschichte und politische Bildung
Bildungs- und Lehraufgabe (5. bis 8. Klasse):
[…] Ziel ist es, in allen Schulstufen historisches Denken sowie politisches Denken und Handeln zu vermitteln, um das angestrebte reflektierte und (selbst)reflexive Geschichts- und Politikbewusstsein zu erreichen. […] Die Schülerinnen und Schüler sollen weiters befähigt werden, Sachverhalte und Probleme in ihrer Vielschichtigkeit, ihren Ursachen und Folgen zu erfassen und ein an den Menschenrechten orientiertes Politik- und Demokratieverständnis zu erarbeiten. Dies verlangt eine entsprechende Praxismöglichkeit im Lebens- und Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler. […] Durch die Auseinandersetzung mit Feldern wie Autorität und Macht, privat und öffentlich, Gemeinwohl und Gerechtigkeit, Krieg und Frieden, Diktatur und Demokratie usw. soll ein wichtiger Beitrag zur Erziehung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geleistet werden. Ideologiekritische Haltung und Toleranz, Verständnisbereitschaft und Friedenswille sind wichtige Voraussetzungen für politisches Handeln.

Didaktische Grundsätze (5. bis 8. Klasse):
Politische Handlungskompetenz: Der Unterricht soll die Bereitschaft und Fähigkeit zu politischem Handeln fördern. Dazu ist es erforderlich, eigene Positionen zu artikulieren, Positionen anderer zu verstehen und aufzugreifen sowie an der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen mitzuwirken. Diese für politisches Handeln zentralen Fähigkeiten sind anhand konkreter Beispiele, etwa durch Simulationsspiele und im Rahmen der Einrichtungen der Schuldemokratie, zu vermitteln.

Psychologie und Philosophie
Bildungs- und Lehraufgabe (7. und 8. Klasse):
Die Schülerinnen und Schüler
- werden in ihrer Entwicklung zu selbstständigen, dialog- und konfliktfähigen Menschen begleitet und gefördert,
- erkennen die Notwendigkeit von Kooperation, sozialer Sensibilität und Verantwortung als Grundlage für die Demokratie,

Ethik
Bildungs- und Lehraufgabe
5. Klasse (1. und 2. Semester):
Grundbegriffe und Perspektiven der Ethik
Ethik und Moral, Gut und Böse, Tugenden und Laster, Wert und Würde, Freiheit und Verantwortung, Rechte und Pflichten, Gewissen und moralische Emotionen
Basiswissen zu Grund- und Menschenrechten
Menschenwürde, Grundrechte, Kinderrechte


Quelle: Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schule.


Quellen

Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2025)