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Anhand eines Artikels über die EU-Entscheidung, Atomkraft als nachhaltig zu labeln, beinhaltet diese Doppelstunde ein Rollenspielzu einer fiktiven, international besetzten Podiumsdiskussion zwischen verschiedenen Interessensgruppen, bei der auch das Konzept eines Argumentes im Fokus steht.

ABLAUF
PHASE 1
10 Minuten
Schlagzeile

Die LP schreibt folgende Schlagzeile an die Tafel „Grünes Label für Atomkraft: Kritik & Klage aus Österreich nach Taxonomie-Entscheidung des EU-Parlaments“ (BMIMI, 6. Juli 2022)

Reaktionen zu dem Thema werden gesammelt und relevante Konzepte werden besprochen, beispielsweise anhand folgender Fragen:

  • Wann ist eine Energieform „grün“ oder „ökologisch nachhaltig“?
  • Warum argumentiert die EU, dass Atomkraft (oder Kernkraft) „ökologisch nachhaltig“ sei?
  • Welche Folgen kann Kernkraft für Umwelt und Gesundheit haben?
  • Welche Risiken bezüglich Kernkraft gibt es in Zusammenhang mit geopolitischen Unsicherheiten wie Krieg?
  • Was passiert mit radioaktivem Abfall?
  • Warum hat Österreich gegen die Entscheidung der EU beim Europäischen Gerichtshof geklagt?
  • Zum damaligen Zeitpunkt war Leonore Gewessler Umweltministerin. Wie geht die aktuelle Regierung mit dem Thema um?
Downloads für diese Phase:
M01_Artikel aus der Infothek des BMIMI
PHASE 2
10 Minuten
Rollenspiel: Setting und Rollenverteilung

Ihr seid Teil einer international besetzten Podiumsdiskussion in Brüssel. Thema: Soll Kernenergie dauerhaft als ‚ökologisch nachhaltig‘ in der EU-Taxonomie bleiben? Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Umweltorganisationen (und Verbraucherschutz) sind geladen. Ziel ist es, am Ende eine gemeinsame Empfehlung zu formulieren.“

Die Lernenden werden in 7-8 Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält eine Rollenkarte mit der Kurzbeschreibung der Position. (Bei einer geringen Anzahl an Lernenden kann Gruppe 8, der Verbraucherschutz, entfallen.) Es werden alle Gruppen kurz vorgestellt. Zusätzlich wird kurz für alle das Konzept eines Argumentes erklärt und worauf diese basieren können (Sachwissen, Normen, Werte, Interessen).

Downloads für diese Phase:
M02_Rollenkarten
PHASE 3
25 Minuten
Rollenspiel: Gruppenarbeit Pro- und Contra

Die Lernenden erarbeiten in 7-8 Gruppen Argumente sowie Kompromissvorschläge und recherchieren dafür im Internet. Optional können sie auch den Zeitungsartikel verwenden (M01). Jede Gruppe wählt einen Sprecher oder eine Sprecherin und erstellt ein Namensschild mit Vor- und Nachname und Name der Organisation.

Downloads für diese Phase:
M01_Artikel aus der Infothek des BMIMI
PHASE 4
5 Minuten
Umbau

Die Tische werden bis auf vier an die Seiten und nach hinten geschoben. Vier Tische bilden das Podium und werden vor die Tafel gestellt. Dahinter werden Stühle platziert, sodass die Sprecherinnen und Sprecher der Interessensgruppen in den Raum schauen. Die verbleibenden Stühle werden für die anderen Lernenden (Publikum) in Kinobestuhlung aufgestellt.

PHASE 5
30 Minuten
Rollenspiel: Diskussion mit Formulierung einer gemeinsamen Empfehlung

Die LP kündigt den Beginn der Podiumsdiskussion rechtzeitig an und beginnt mit einem Klatschen oder einem Gong. Die Vertretung jeder Organisation stellt ein Schild vor sich auf mit Namen und Funktion. Reihum tragen alle ihre Positionen und Argumente vor. Dann folgt eine Diskussion. Gegen Ende muss eine Entscheidung gefällt und eine gemeinsame Empfehlung formuliert werden. Die LP moderiert und lädt die anderen Lernenden als Publikum ein, sich einzubringen, wenn die Diskussion unter den Sprechern und Sprecherinnen stocken sollte. Die Formulierung des Kompromisses wird auf die Tafel geschrieben. Die LP schließt die Podiumsdiskussion mit abschließenden Worten und einem Klatschen oder einem Gong.

PHASE 6
20 Minuten
Reflexion des Rollenspiels

Die LP lädt die Lernenden ein, im Raum herumzugehen und ihre Rolle „abzuschütteln“. Dann erfolgt die Reflexion mit Fragen wie:

  • Wie hast du das Rollenspiel gefunden?
  • Wie realistisch war die Diskussion?
  • Wie stark hast du dich mit deiner Rolle identifiziert? Warum?
  • Welche Argumente waren besonders überzeugend?
  • Wie seid ihr zu eurer Entscheidung gekommen?
  • Was ist dir zu diesem Thema durch das Spiel deutlich geworden?
Kompetenzorientierte Lernziele
Die Lernenden verstehen, warum die Europäische Union Kernenergie als umweltfreundlich eingestuft hat.
Die Lernenden können die wichtigsten Argumente pro und contra Kernkraft nachvollziehen.
Die Lernenden nehmen die Perspektiven verschiedener Akteurinnen und Akteure (EU-Kommission, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener EU-Länder, Umweltorganisationen, Wirtschaftsverbände, evtl. Verbraucherschutzorganisation) ein und üben so Perspektivenwechsel.
Die Lernenden trainieren Argumentationsstrategien und Demokratieverständnis.
Konnex zum Lehrplan
Übergreifende Themen für AHS
7. Politische Bildung
Bedeutung des übergreifenden Themas
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. Politische Bildung stützt sich insbesondere auf Empfehlungen und Richtlinien der Kinderechtskonvention und den Referenzrahmen für Demokratiekompetenz des Europarats, die den hohen Stellenwert der Politischen Bildung und das Recht junger Menschen darauf betonen.
Ein grundlegendes Ziel der Politischen Bildung besteht darin, „die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen“ (Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung, 2010). Politische Bildung stellt kontroverse Themen in der Gesellschaft auch als kontrovers im Unterricht dar, vermeidet jede Form der Indoktrination und hat die politisch selbstbestimmte Bürgerin den politisch selbstbestimmten Bürger als Ziel vor Augen.
Politische Bildung orientiert sich an den Lebensbezügen, Interessen und Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler, greift aktuelle politische Fragestellungen (zB Klimagerechtigkeit, Nachhaltiges Leben und Wirtschaften, Umweltschutz, Migration) auf und setzt sich mit den vielen Facetten politischer Kommunikation im Rahmen des Unterrichts (zB Debattierclub, Rollen- und Planspiele, Kinder- und Jugendparlament) auseinander. Sie vermittelt ein Verständnis für lokale und globale Zusammenhänge und Probleme der Menschheit und legt dar, dass eine faire Verteilung und Nutzung von Ressourcen, eine gerechte Friedens- und Sicherheitsordnung und die Einhaltung von Menschenrechten Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben auf dieser Welt sind.

11. Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung
Bedeutung des übergreifenden Themas
Die Verschwendung natürlicher Ressourcen, der Verlust der Biodiversität und die Folgen des Klimawandels gefährden die Lebensgrundlagen der gegenwärtigen und der künftigen Generationen und verlangen ein verantwortungsbewusstes Handeln. Umweltbildung will Kompetenzen und Haltungen zur demokratischen Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern, in der Ressourcenschonung und Verteilungsgerechtigkeit wichtige Anliegen sind. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, im Spannungsfeld von individuellen und gesellschaftlichen sowie ökologischen und ökonomischen Interessen verantwortungsvoll urteilen und handeln zu können.
Der Unterricht soll für die Anliegen und Erfordernisse des Natur-, Tier- und Umweltschutzes und für die Gestaltung eines umweltbewussten Alltags sensibilisieren. Geeignete Methoden sind vor allem Naturbegegnung, Projektunterricht, forschendes und entdeckendes Lernen und die Durchführung von Rollen-, Plan- sowie Simulationsspielen. Neben dem Verständnis für Ökosysteme sind verstärkt Fragestellungen einzubeziehen, die sich an den Interessen der Schülerinnen und Schüler und dem aktuellen Tages- und Weltgeschehen orientieren. Als Kernthemen werden ua. Artenvielfalt und -schutz; Klimawandel und -schutz; Lebensräume und deren Vernetzung und Schutz von Boden, Wasser, Luft, Wäldern und Meeren; nachhaltige und sozial gerechte Ressourcen- und Energienutzung; Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Abfall und Emissionen; Recycling; Ernährung und verantwortungsvoller Konsum gesehen.

Oberstufe. Pflichtgegenstände.
Deutsch.
Bildungs- und Lehraufgabe (5. bis 8. Klasse):
Der Deutschunterricht hat die Aufgabe, die Kommunikations-, Handlungs- und Reflexionsfähigkeit sowie die ästhetische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler durch Lernen mit und über Sprache in einer mehrsprachigen Gesellschaft zu fördern.
Im Besonderen sollen die Schülerinnen und Schüler
• befähigt werden, mit Sprache Erfahrungen und Gedanken auszutauschen, Beziehungen zu gestalten und Interessen wahrzunehmen […]
• befähigt werden, Informationen alleine oder in Teamarbeit zu finden, aufzunehmen, zu verarbeiten und zu vermitteln
• befähigt werden, Ausdrucksformen von Texten, Medien, Medientexten und deren Wirkung zu verstehen […]

Beitrag zu den Aufgabenbereichen der Schule
Textkompetenz und Medienkompetenz fördern die selbstständige aktive und kritische Aneignung des Wissens. Mündliche Kompetenz fördert die Sicherung einer differenzierten Dialog- und Kooperationsfähigkeit sowie Sozialkompetenz. […]

Quelle: Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schule . Unter www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568 (Zugriff: 06.12.2025).

Quellen

Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2025)