
Energiearmut ist komplex und kann (fast) jede:n treffen. Wenn Unternehmen oder Einzelpersonen mit Energieüberschuss und von Energiearmut Betroffene über solidarische Energiegemeinschaften zusammenfinden, kann mit wenig (Energie, Geld, vermittelnde Dienstleistungen) viel gegen Energiearmut bewirkt werden. In einem Rollenspiel erarbeiten die Lernenden unterschiedliche Interessen von Energiespender:innen, Energieempfänger:innen und einem Verein für solidarische Energiegemeinschaften und nähern sich so dem Thema Energiearmut an.
Einstieg ins Rollenspiel
Energie ist für uns oft selbstverständlich: Licht einschalten, Handy laden, Wäsche waschen, warm duschen, heizen. Aber nicht für alle Menschen ist das leicht bezahlbar und die Kosten für Strom sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gleichzeitig gibt es gerade in den wärmeren Monaten unter Tags oft einen Überschuss an Sonnenstrom, der für die produzierenden Betriebe wirtschaftlich wenig wert ist. Genau dieser Strom kann aber den Unterschied machen, ob Einzelpersonen oder soziale Einrichtungen am Monatsende alle Rechnungen bezahlen können oder nicht. Heute schlüpft ihr in die Rollen von stromerzeugenden Betrieben, sozialen Einrichtungen, von Energiearmut betroffenen Personen und einem Verein, der vermitteln möchte. Euer Ziel: eine Lösung zu finden, wie überschüssige Energie dort hilft, wo sie dringend gebraucht wird, nämlich bei Einzelpersonen und Einrichtungen, die von Energiearmut betroffen sind.
Die LP stellt die fünf Rollen jeweils kurz vor. Mehrere Lernende übernehmen jeweils eine Rolle. Für die Rolle des Vereins braucht es mindestens vier Personen, idealerweise redegewandt und extrovertiert. Die Lernenden teilen sich in fünf Gruppen auf und erhalten ihre Rollenkarten M_01.
Erarbeitung der einzelnen Rollen
Die Lernenden lesen sich ihre Rollenkarte durch und besprechen, was sie von den anderen Gruppen wissen wollen.
Die Szenen werden möglichst frei gespielt, die LP organisiert die Runden räumlich und achtet auf die Zeit.
Spielphase, Teil 1 (7-10 Min.)
In Runde 1 versucht der Verein zur Förderung einer solidarischen Energiegemeinschaft, Spender:innen zu gewinnen. Zwei Personen des Vereins sprechen mit Vertreter:innen der Supermarktkette (Runde A), zwei andere Personen des Vereins sprechen mit Vertreter:innen des landwirtschaftlichen Betriebs (Runde B), unter welchen Bedingungen sie bereit sind, ihren Stromüberschuss zu spenden. Währenddessen sprechen Vertreter:innen des Mutter-Kind-Hauses mit der Kleinfamilie über gemeinsame und gegensätzliche Interessen (Runde C).
Spielphase, Teil 2 (7 -10 Min.)
In Runde 2 versucht der Verein, Empfänger:innen zu gewinnen. Zwei Personen des Vereins reden mit Vertreter:innen des Mutter-Kind-Hauses (Runde A), zwei andere Personen des Vereins sprechen mit der Kleinfamilie (Runde B), unter welchen Bedingungen sie bereit sind, Stromspenden zu empfangen. Währenddessen sprechen Vertreter:innen des Supermarkts mit Vertreter:innen des Landwirtschaftsbetriebes über gemeinsame und gegensätzliche Interessen (Runde C).
UMBAU (Herrichten des Presseterminsettings mit 5-6 Sesseln nebeneinander fürs Podium und Kinobestuhlung) und PAUSE
Spielphase, Teil 3 (20 Min.)
Alle Gruppen veranstalten gemeinsam eine Pressekonferenz zu Energiearmut und stellen gemeinsam die solidarische Energiegemeinschaft vor. Wer spendet, wer empfängt, wer vermittelt und warum ist das ein Beitrag zu einer ökologischen und sozial fairen Energiewende? Jede Gruppe bereitet sich 5 Minuten darauf vor und entsendet eine Vertretung. Die Vertretungen jeder Gruppe kommen nacheinander jeweils 2 Minuten zu Wort. (Die LP kann zur Unterstützung moderieren.) Die restlichen Lernenden schlüpfen in die Rolle von Journalist:innen und stellen 5 Minuten kritische Fragen.
Auswertung Rollenspiel
Danach wird gemeinsam reflektiert:
Welche Lösungen oder Dynamiken haben sich innerhalb und zwischen den Gruppen gezeigt?
Wie ist die Pressekonferenz verlaufen?
Inhaltliche Festigung mit Video
Die Lehrperson leitet über mit den Worten: So eine solidarische Energiegemeinschaft gibt es in Österreich wirklich, es handelt sich um den Verein „Robin Powerhood“. Das Video wird gezeigt und danach folgende Fragen besprochen: https://www.klimafonds.gv.at/projekt/robin-powerhood/ (etwa 4 Minuten)
Was war inhaltlich neu für euch?
Was findet ihr besonders interessant?
5-Finger-Reflexion
Die LP reflektiert die Unterrichtseinheit mit den Lernenden mit Hilfe der 5-Finger-Reflexion. Dazu zeichnen die Lernenden die Silhouette ihrer Hand auf ein Blatt Papier und schreiben Stichworte zu folgenden Aussagen:
Daumen: Das war top!
Zeigefinger: Das will ich mir merken!
Mittelfinger: Das hat mich angestunken!
Ringfinger: Das hat mich emotional berührt!
Kleiner Finger: Das ist zu kurz gekommen!
Handfläche: Das will ich noch sagen!
Im Plenum werden einige Ergebnisse geteilt.
Kompetenzorientierte Lernziele
• erkennen, dass Energiearmut mit Wohnen, Energiekosten und sozialen Bedingungen zusammenhängt.
• lernen über nachhaltige Energiegewinnung aus Photovoltaik und der Überproduktion zu bestimmten Zeiten.
• lernen das Positivbeispiel einer solidarischen Energiegemeinschaft kennen, die Energiearmut lindern kann.
• versetzen sich emotional in unterschiedliche Rollen von Energiespender:innen, Energieempfänger:innen und dem vermittelnden Verein.
• lernen verhaltensbezogen, indem sie die Interessen der jeweiligen Rolle gemeinsam erarbeiten und in Diskussion mit den Vertreter:innen der anderen Gruppen treten.
• reflektieren alleine und gemeinsam über die Prozesse und Erkenntnisse aus dem Rollenspiel.
Konnex zum Lehrplan
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung
Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung will Kompetenzen und Haltungen zur demokratischen Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern, in der Ressourcenschonung und Verteilungsgerechtigkeit wichtige Anliegen sind. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, im Spannungsfeld von individuellen und gesellschaftlichen sowie ökologischen und ökonomischen Interessen verantwortungsvoll urteilen und handeln zu können.
Kompetenzziele Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung am Ende der 8. Schulstufe:
„Die Schülerinnen und Schüler können
das Zusammenwirken von ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren bei Umweltproblemen verstehen und mögliche Lösungsvorschläge ableiten;
die Bedeutung des Einsatzes ressourcen- und umweltschonender sowie sozial verantwortlicher Verfahren, Produkte und Dienstleistungen in Beruf und Wirtschaft erkennen und sich mit gegensätzlichen Interessen und deren Auswirkungen auseinandersetzen; […] Neben dem Verständnis für Ökosysteme sind verstärkt Fragestellungen einzubeziehen, die sich an den Interessen der Schülerinnen und Schüler und dem aktuellen Tages- und Weltgeschehen orientieren. Als Kernthemen werden ua. […] Klimawandel und -schutz; […] nachhaltige und sozial gerechte Ressourcen- und Energienutzung; Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Abfall und Emissionen; […] Ernährung und verantwortungsvoller Konsum gesehen."
Politische Bildung
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. […] Politische Bildung stellt kontroverse Themen in der Gesellschaft auch im Unterricht als kontrovers dar, vermeidet jede Form der Indoktrination und vermittelt ein Verständnis für lokale sowie globale Zusammenhänge und Probleme der Menschheit.
Kompetenzziele Politische Bildung am Ende der 8. Schulstufe
„Die Schülerinnen und Schüler können
verschiedene politische Ideen und Konzepte wie z. B. […] Gerechtigkeit […] verstehen und bewerten;
wesentliche politische Fragestellungen wie z. B. Gerechtigkeit, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und demokratische Willensbildung aufgreifen, deren globale Aspekte erkennen und ihre Bedeutung verstehen;
unterschiedliche gesellschaftliche Strukturen, Machtverhältnisse, Interessen und Wertvorstellungen beschreiben sowie im Hinblick auf eigene Auffassungen bewerten;
verantwortlich an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen im eigenen Lebens- und Erfahrungsbereich teilnehmen, demokratische Lösungen finden und sich damit selbst als aktiv Handelnde in der Gestaltung von Demokratie vertreten und erleben […]“
Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände
Geographie und wirtschaftliche Bildung:
Kompetenzbereich Nachhaltiger Umgang mit Energie und Ressourcen
„Die Schülerinnen und Schüler können die Nutzung erneuerbarer und nicht erneuerbarer Energieträger vergleichen und aus den Blickwinkeln von Klimawandel und Nachhaltigkeit reflektieren;“
Deutsch
Kompetenzbereich Zuhören und Sprechen
Die Schülerinnen und Schüler können
• in unterschiedlichen Beiträgen, im direkten Kontakt oder über Medien vermittelt, Mehrdeutigkeiten und nicht explizit genannte Inhalte erschließen und interpretieren, dabei Absichten und Emotionen reflektieren und situationsbezogen Schlüsse daraus ziehen2, 7
• ihr Repertoire verbaler und nonverbaler Mittel erweitern und Sprache unter Verwendung unterschiedlicher sprachlicher Register (Standard- und Bildungssprache) reflektiert und bewusst kreativ einsetzen
• aus bewusst gewählten Quellen Informationen gezielt herausfiltern, thematisch aufbereiten und unter Anwendung entsprechender Visualisierungsmethoden mündlich präsentieren.
Anwendungsbereiche
• Eigenständige Reflexion, Interpretation und Präsentation von analogen, digitalen und multimedialen Texten (…)
• Zunehmend selbstständige Appelle, Argumentationen und Diskussionen in verschiedenen Sozialformen
Quelle: Lehrplan der Volksschule. Unter www.ris.bka.gv.at (Letzter Zugriff: 26.08.2026).
Quellen
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband 2026, Hintergrundinformation Energiearmut, unter: https://umweltbildung.at/praxismaterial/hintergrundinformationen-energiearmut https://kea.gv.at/wp-content/uploads/sites/24/2025/03/kea_Faktencheck_Energiearmut.pdf
https://kea.gv.at/solidarische-energiegemeinschaften-gegen-energiearmut
https://www.volkshilfe-wien.at/wohnblog/energiearmut
https://wohnschirm.at/#energie
https://www.robin-powerhood.at/
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2026).