
In diesem Spiel erleben die Lernenden wie Entscheidungen entstehen – und wie unterschiedlich sie sich anfühlen können. Mal entscheidet der Zufall, mal eine einzelne Person, mal die Mehrheit. Dabei wird spürbar: Jede Methode fühlt sich anders an und erfüllt unterschiedliche Bedürfnisse. Ziel dieser didaktischen Anregung ist es, sichtbar zu machen, warum es in einer (Klassen-)Gemeinschaft wichtig ist, zuzuhören, abzuwägen und Wege zu finden, mit denen möglichst viele leben können.
Um das Vorwissen der Lernenden abzufragen, erhebt die Lehrperson gemeinsam mit den Lernenden, welche Arten der Entscheidungsfindung sie kennen und wie sie diese umsetzen.
Die Lehrperson stellt die Übung vor. Die Lernenden werden im Rahmen einer Abstimmung drei Arten der Entscheidungsfindung durchspielen.
Dazu gibt es von der Lehrperson vorbereitet 8 bis 10 Ausflugsziele (Kärtchen mit Ausflugszielen von Lehrperson), die beim nächsten Schulausflug besucht werden könnten. Diese werden mit Kärtchen sichtbar gemacht. Mit diesen Ausflugszielen wird im Spiel der Entscheidungen gespielt.
Die Lernenden teilen sich nun in sechs Gruppen. Jede Gruppe entscheidet sich für ein Ausflugsziel (Nummer 1-6), das sie besuchen möchte. Für dieses Ausflugsziel sammeln die Lernenden in der Kleingruppe mind. zwei Argumente, um zu begründen, warum der Ausflug dorthin besonders lohnend ist.
Die Gruppen stellen im Plenum die Ausflugsziele (Nummer 1-6) und ihre Begründung für die Auswahl vor.
Im Anschluss werden die drei Möglichkeiten der Entscheidungsfindung durchgespielt und das jeweilige Ergebnis auf der Tafel vermerkt.
- Der Zufall entscheidet – Die Lehrperson nimmt einen Würfel und würfelt die Entscheidung.
- Eine Person entscheidet – Zur Auswahl der Person stellen sich die Lernenden der Größe nach in einer Stirnreihe auf. Die Person in der Mitte, ist die Person, die entscheiden darf, wohin der Ausflug geht. Bei zwei Kindern wird mittels Schere-Stein-Paper entschieden, wer das Ausflugsziel bestimmen darf.
- Die Mehrheit entscheidet (Zentrum Polis Politik lernen in der Schule) – Die Lernenden bekommen eine Wahlkarte, auf der sie ihr gewähltes Ausflugsziel (Nummer 1 – 6) aufschreiben. Diese werden von der Lehrperson eingesammelt. Die Lehrkraft legt – im Raum verteilt – 6 Zetteln mit den Nummern 1 – 6 auf den Boden. Jetzt liest die Lehrkraft das Ergebnis des ersten Wahlzettels vor, ein Kind stellt sich zu dem entsprechenden Zettel. Auf diese Art werden alle Wahlzettel bearbeitet und die Stimmverteilung sichtbar gemacht.
Wenn keines der Ausflugsziele eine Mehrheit von über 50% erhält, wird (optional) eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Ausflugszielen durchgeführt.
Nach jeder Entscheidungsmethode werden die Lernenden von der Lehrperson mittels Daumenbarometer befragt.
- Daumen hinauf – ich stimme zu
- Daumen hinunter – ich stimme nicht zu
- jede Position dazwischen ist möglich
Folgende Fragen werden gestellt:
- Bin ich mit der Art der Entscheidung zufrieden?
- Bin ich mit dem Ausflugsziel zufrieden?
Die Lehrperson holt ergänzend Wortmeldungen ein.
- Warum nimmst du das so wahr?
- Welchen Zusammenhang kannst du erkennen zwischen der Art der Entscheidung und deiner Zufriedenheit mit dem Ausflugsziel?
Kompetenzorientierte Lernziele
Die Lernenden erkennen den Zusammenhang von Entscheidungen auf Grundlage von Informationen.
Die Lernenden respektieren unterschiedliche Meinungen und können akzeptieren, wenn die Mehrheit anders entscheidet.
Konnex zum Lehrplan
Kompetenzorientierung
1. Kompetenzorientierung als pädagogische Grundlage des Lehrplans
[…] sind unter Kompetenzen längerfristig verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verstehen, die von Schülerinnen und Schülern entwickelt werden und die sie befähigen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen. […]
2. Kennzeichen kompetenzorientieren Unterrichts
Kompetenzorientierung verlangt ein besonderes Verständnis von Unterricht. Lernen wird als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden, bei dem die Motivation und Willenskraft und die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, sowie Zielvorgaben zu übernehmen, eine wichtige Rolle spielen. […]
Kompetenzorientierter Unterricht ist dadurch gekennzeichnet, dass […]
- Aufgabenstellungen im Lernprozess eingesetzt werden, die den Erfahrungen und der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler entsprechen;
- die aktive Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem jeweiligen Thema angestrebt wird (kognitive Aktivierung);
- handlungs- und anwendungsorientiert gelehrt wird, indem erworbenes Wissen zur Lösung von Problemen und zur Bewältigung von Anforderungssituationen genutzt wird; […]
- es eine Kultur der Selbstreflexion gibt, die den Schülerinnen und Schülern ihre erworbenen Kompetenzen bewusstmacht und ihre Lernmotivation weiter fördert; […]
- Schülerinnen und Schüler zu kritischem Denken angeregt werden.
Übergreifende Themen für Volksschulen
7. Politische Bildung
7.1 Bedeutung des übergreifenden Themas
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. […] Ein grundlegendes Ziel der Politischen Bildung besteht darin, „die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen“ (Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung, 2010).
7.2 Kompetenzziele am Ende der Grundschule
Die Schülerinnen und Schüler können
- demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten im kommunalen Bereich benennen und auf Schulebene nutzen.
- sich eine eigene Meinung bilden, diese artikulieren und Möglichkeiten des eigenen Handelns erkennen.
- Verständnis für globale Zusammenhänge zeigen und Möglichkeiten des eigenen Handelns aufzeigen.
Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände (1. Bis 4. Schulstufe)
Sachunterricht
4. Schulstufe
Historischer Kompetenzbereich
Die Schülerinnen und Schüler können
- […] das Verhältnis von Macht und Recht in unserer Demokratie verstehen.
Bewegung und Sport
Mensch und Gesellschaft
Bewegung und Sport findet vor dem Hintergrund sozialer und kultureller Vielfalt und Diversität statt. Dies wird im unterrichtlichen und sportlichen Handeln sichtbar und kann aus gesellschaftspolitischen Perspektiven reflektiert werden (Kommunikationsprozesse und -strukturen, gruppendynamische Themen wie Macht, Führen und Folgen, Umgang mit Diversität, Inklusion und Exklusion, Ökologie, Demokratiebildung).
Quelle: Lehrplan der Volksschulen.
Quellen
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2025)