Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Dennoch sind für viele Menschen eine tägliche warme Mahlzeit oder ein geheiztes Zuhause im Winter nicht selbstverständlich. Mehr als 1,2 Millionen Menschen in Österreich sind armutsgefährdet oder von Einschränkungen in wesentlichen Lebensbereichen betroffen, das sind 13,9% der Bevölkerung oder jede 7. Person. Armut hat viele Facetten und ist oft nicht sichtbar.
Ein Aspekt von Armut ist Energiearmut. Mehr als 130.000 Haushalte in Österreich können es sich nicht leisten, in einer angemessen warmen Wohnung zu leben. Die Betroffenen sorgen sich um Mahnungen und Abschaltungen von Strom, Gas oder Fernwärme sowie gesundheitliche Probleme durch Feuchtigkeit und Schimmel in der Wohnung. Entscheidungen zu Monatsende, ob lieber die Strom- und Heizungsrechnung bezahlt oder das Geld für andere Grundbedürfnisse wie Essen oder Kleidung ausgegeben wird, sind keine Seltenheit.
Energiearmut betrifft jedoch nicht nur Haushalte mit niedrigem Einkommen. Auch Haushalte mit mittleren Einkommen können aufgrund ineffizienter Wohnbedingungen, hoher Energiekosten oder akuter hoher Ausgaben (z.B. bei gesundheitlichen Problemen, hohen Reparatur- oder Anschaffungskosten von Geräten) von Energiearmut betroffen sein.
Die Bekämpfung von Energiearmut ist ein wichtiger Baustein einer sozial verträglichen, gerechten Klimawende, denn armutsbetroffene Menschen sind stärker vom Klimawandel betroffen als der Rest der Bevölkerung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Energiearmut nicht selbstverschuldet, sondern immer ein Zusammenspiel von strukturellen Faktoren wie energieineffizienten Wohnbedingungen, hohen Energiepreisen und niedrigen Einkommen ist. Das individuelle Verhalten spielt eine untergeordnete Rolle.
Energiearmut hat, wie Armut allgemein, unterschiedliche Dimensionen:

© Young CaritasMateriell: Versorgung mit Energie zur Deckung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Wärme, warmes Wasser für Hygiene); Folgeprobleme von zu wenig oder ineffizient genützter Energie wie z.B. Schimmelbildung an Wohnungswänden
Sozial: durch Energiearmut können sich soziale Kontakte verringern, wenn man z.B. niemanden zu sich nach Hause einladen will, weil die Wohnung nicht ausreichend geheizt ist
Kulturell: Eine ungünstige Energiesituation erschwert v.a. für Kinder und Jugendliche in Ausbildung den Bildungserwerb und kann in schweren Fällen auch die kognitive Entwicklung beeinträchtigen
Psychisch/Körperlich: gesundheitliche Probleme, z.B. Asthma, aufgrund von Kälte und Schimmelbildung in der Wohnung.
Energiearmut auf einen Blick
Energiearmut bedeutet, dass Menschen ihre Wohnung nicht ausreichend heizen, mit Strom versorgen oder warmes Wasser nutzen können, ohne dabei finanziell stark belastet zu sein.
Energiearmut und Erneuerbare Energie
Viele Menschen können sich Förderungen im Bereich Erneuerbare Energie nicht leisten, weil es um (hohe) Vorfinanzierungen geht. Die Förderung kommt oft erst nach Finalisierung eines Projektes. Dies betrifft z.B. auch die Geräte-Retter-Prämie (früher: Reparatur-Bonus). Einige Gemeinden übernehmen dafür schon die Vorfinanzierung, um die Zugängigkeit zu Förderungen für möglichst viele Menchen sicherzustellen. In Gemeinden, in denen das noch nicht der Fall ist, könnte das politisch gefordert werden, z.B. in einer Petition (vgl. Umsetzungsvorschlag für die Sekundarstufe I).
Armutssensible Kommunikation
Bei der Erstellung und dem Einsatz der Unterrichtsmaterialien ist eine armutssensible Kommunikation besonders zu berücksichtigen. Statt die abstrakten Begriffe „Armut“ bzw. „Energiearmut“ zu verwenden, sollen die Menschen im Vordergrund stehen, also z.B. „Menschen mit geringem Einkommen“ oder „Betroffene von Energiearmut“ sowie die mögliche Veränderlichkeit ihrer Situation. Gleichzeitig sollen, gerade für die älteren Schülerinnen und Schüler, die komplexen systemischen Bedingungen und Auswirkungen von Energiearmut erklärt und erfahrbar gemacht werden. Armut und Energiearmut sind emotional belastende Themen. Es muss genügend Zeit für die Reflexion und das Debriefing eingeplant werden.
Möglichkeiten, Kindern Energiearmut näherzubringen
Um das für die Kinder abstrakte Thema zu besprechen, kann man darauf eingehen, was es im Alltag bedeutet, wenn man die Waschmaschine nur einmal in der Woche einschalten kann und die Heizung nur auf 8 Grad Celsius, damit nichts einfriert. Zur Veranschaulichung: das ist die Temperatur, die es im Kühlschrank hat.
Möglichkeiten, Jugendlichen Energiearmut näherzubringen
Junge Menschen können durch informierte Entscheidungen beim Wohnen dazu beitragen, hohe Energiekosten zu vermeiden. Gleichzeitig ist Energiearmut nicht nur eine Folge individueller Entscheidungen, sondern wird oft durch systemische Bedingungen mitverursacht, etwa durch schlechte Bausubstanz, ineffiziente Heizsysteme, mangelnde Kostentransparenz oder ungünstige Mietverhältnisse. Deshalb braucht es neben individuellem Wissen auch gesellschaftliche und politische Lösungen.
Quellen
https://kea.gv.at/wp-content/uploads/sites/24/2025/03/kea_Faktencheck_Energiearmut.pdf
https://kea.gv.at/energiesparen-im-haushalt-beratung-und-geraetetausch/
https://kea.gv.at/wp-content/uploads/sites/24/2025/02/20250123_Checkliste-fuer-die-Wohnungssuche_final.pdf
https://kea.gv.at/solidarische-energiegemeinschaften-gegen-energiearmut/
https://www.volkshilfe-wien.at/wohnblog/energiearmut/
https://wohnschirm.at/#energie
https://www.caritas-stadtteilarbeit.at/fileadmin/storage/wien/Stadtteilarbeit/Projekte/P_Pilotprojekt_gegen_Energiearmut/Endbericht_Pilotprojekt_gegen_Energiearmut.pdf
https://iewt2023.eeg.tuwien.ac.at/download/contribution/presentation/306/306_presentation_20230220_145439.pdf
https://www.gw-unterricht.at/images/pdf/gwu_128_010_017_leitner_et_al.pdf
Quelle von Bildgrafik "Dimensionen von Armut": https://wien.youngcaritas.at/wp-content/uploads/2020/04/youngCaritas-Wien_Themenheft_Armut_2021.pdf, S. 11.