
In dieser Einheit setzen sich die Lernenden mit der Frage auseinander, wie sie in ihrem Schulalltag mitbestimmen und ihre Meinung einbringen können. Sie erfahren, dass nicht alle Themen gleich stark durch die Lernenden selbst beeinflusst werden können und dass unterschiedliche Entscheidungsebenen existieren. Auf Basis von Themen, die für sie wichtig sind, werden Entscheidungsprozesse im Schulalltag erkannt und reflektiert und die Möglichkeiten der Mitbestimmung benannt.
Um auf die Übung einzustimmen, sammelt die Lehrperson gemeinsam mit den Lernenden Themen auf der Tafel, die für die Lernenden in ihrem Schulalltag wichtig sind, wie z.B. Schulbuffet, Schularbeitstermine, Schulprojekte, Sitzplatzordnung…
Die Lernenden sollen ihre persönliche Meinung auf einer Meinungsskala (Soziogramm) (Zentrum Polis Politik lernen in der Schule) ausdrücken.
Die Lehrperson liest beispielhaft zwei bis drei Aussagen vor. Die Lernenden sollen danach zu zweit, ein für sie relevantes Thema des Schulalltages als Aussage auf einem Blatt Papier (Moderationskarte) formulieren. Zu diesem Thema wird im Anschluss ein Meinungsbild aus der Klasse eingeholt. Die Aussagen werden von der Lehrperson gesammelt.
Beispiele für Aussagen (max. zwei bis drei auswählen und vorlesen):
- Die Auswahl am Schulbuffet soll von uns bestimmt werden können.
- Schularbeitstermine sollen von uns mitgeplant werden können.
- Der Schulbeginn soll auf 9:00 Uhr verlegt werden.
- Die Ziele unserer Projekttage/Ausflüge sollen wir mitbestimmen können.
- Die Durchführung von Tests zur Mitarbeitskontrolle soll mit dem Zufallsprinzip eines Münzwurfes, allein oder zu zweit, möglich sein.
- Eine tägliche Sportstunde soll umgesetzt werden.
- Laptops sollen für alle Lernenden gratis zur Verfügung gestellt werden.
- Die Sitzordnung soll von uns entschieden werden können.
- Themen für freie Wahlfächer am Nachmittag sollen von uns entschieden werden können.
- Es soll Zeiten geben, in denen wir Projekte innerhalb der Klasse/Schule umsetzen können.
Folgende Regeln sind für die Aussagen zu beachten:
- Aussagen müssen die gesamte Klassen- oder Schulgemeinschaft betreffen.
- Aussagen dürfen keine illegalen Themen adressieren.
Die Aussagen werden von der Lehrperson vorgelesen und die Lernenden stellen sich entsprechend ihrer persönlichen Meinung auf einer Skala auf.
Diese Skala reicht von:
- Links = finde ich gar nicht wichtig
- Mitte = stehe neutral dazu
- Rechts = finde ich sehr wichtig
Auf der Skala kann jede Position, auch zwischen den „Polen“, eingenommen werden. Nach jeder Positionierung holt die Lehrperson einzelne Stellungnahmen von den Lernenden zu ihrer Positionierung ein.
- Warum ist dir dieses Thema wichtig/nicht wichtig?
- Wie würdest du argumentieren, um die Personen, die anderer Meinung sind zu überzeugen, dass dieses Thema für alle von großer Wichtigkeit ist?
Nach der Zuordnung auf der Meinungsskala hält die Lehrperson die Wichtigkeit des Themas für die gesamte Klasse bei jeder Aussage fest, indem sie dies auf der Karte durch Bepunktung sichtbar macht.
1 Punkt = nicht relevant
2 Punkte = mäßig relevant
3 Punkte = sehr relevant
Reflexion der Übung
Nach Vorlesen aller Aussagen sollen die Lernenden in Murmelgruppen (3-4 Personen) die Übung reflektieren.
Mögliche Reflexionsfragen:
- War es leicht oder schwierig, dich zu entscheiden? Warum?
- Hat sich deine Meinung bei einer Aussage verändert? Wenn ja, wodurch?
- Wie war es für dich, zu sehen, dass andere eine andere Meinung haben?
- Was hilft dir, mit unterschiedlichen Meinungen respektvoll umzugehen?
- Warum ist es wichtig, die eigene Meinung begründen zu können?
Die Lernenden sollen die vorherigen Aussagen entsprechend der Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht innerhalb der Schule betrachten und sich dazu positionieren.
Dazu werden in den vier Ecken des Raums Zettel aufgehängt:
- Ich selbst entscheide innerhalb der Klassengemeinschaft.
- Die Mehrheit in der Klassengemeinschaft entscheidet.
- Eine andere Person entscheidet für die Klasse bzw. die Schule (z.B. Lehrperson oder Direktion).
- Eine übergeordnete Instanz entscheidet für die Schule (z.B. Gemeinde oder Gesetzgebung).
Die Lehrperson liest nun die Aussagen aus „Mein Standpunkt“ vor, wobei sie die Aussagen zu Fragen umformuliert (z.B. Wer entscheidet was es am Schulbuffet gibt?)
Wenn es sehr viele Aussagen gibt, dann vor allem jene, die große Relevanz (Bepunktung mit drei Punkten) erhalten haben. Die Lernenden positionieren sich entsprechend ihrer Meinung in einer der vier Ecken.
Zur Sichtbarmachung des Zusammenhangs zwischen den für die Lernenden relevanten Themen und ihrer Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht bei diesem Thema, werden an der Tafel Felder mit 1-4 gekennzeichnet und die jeweilige Aussage nach Positionierung der Lernenden dazu gehängt.
Reflexion der Übung
Im Anschluss leitet die Lehrperson eine Reflexion im Plenum an.
Mögliche Reflexionsfragen:
- Wann ist es gut, wenn jeder für sich entscheidet?
- Wann ist es besser, wenn die Mehrheit entscheidet?
- Wie fühlt es sich an, wenn man über etwas keine Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht hat?
- Fühlt sich die Entscheidungs-/ Mitgestaltungsmacht bei bestimmten Aussagen gerecht an? Wäre eine andere Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht fairer?
- Was kannst du tun, damit deine Meinung in der Schule gehört wird?
Anhand der auf der Tafel geclusterten Aussagen legen Lehrperson und Lernende nun gemeinsam fest:
- welches die relevanten Themen sind
- bei denen die Lernenden Chancen sehen, ihre Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht innerhalb der Schule zu stärken
In Kleingruppen (4-5 Personen) erarbeiten die Lernenden, anhand eines der ausgewählten Themen, Ideen zu folgenden Fragen und halten diese auf einem Plakat fest.
- Wen brauchen wir, um eine Veränderung anzustoßen?
- Was sind die nächsten Schritte, um Veränderung zu bewirken?
- Wie kann in der Schule mehr Entscheidungs-/Mitgestaltungsmacht bei diesem Thema für uns Lernende ermöglicht werden?
Die Lernenden präsentieren ihre Ideen der Klasse.
Diese Erarbeitung kann von der Lehrperson und den Lernenden weiterführend herangezogen werden, um Veränderungsprozesse in der Schule anzustoßen.
Optionale Vertiefung:
Die Lernenden setzen sich mit der Frage auseinander, was sie tun können, wenn eine Entscheidung außerhalb der Schule in der Gemeinde (Zentrum Polis Politik lernen in der Schule) entschieden wird.
In den Kleingruppen sollen sich die Lernenden ergänzend mit folgenden Fragen auseinandersetzen:
- Wen können sie in der Gemeinde ansprechen?
- Welche Maßnahmen und Aktionen können sie setzen, um die von ihnen gewünschte Veränderung zu erzielen?
Beispiele möglicher Formate sind:
- Eine Anfrage oder einen Brief an den/die Bürgermeister oder Bürgermeisterin schreiben
- Teilnahme an einer Gemeinderats-Sitzung
- Unterschriftenliste/Petition innerhalb der Schule
- Schüler-/Schülerinnenvertretung einschalten
- Kooperation mit dem Elternverein
- Teilnahme am Jugendrat
Die Lernenden sollen abschließend das Arbeitsblatt „Mitbestimmung im Schulalltag“ ausfüllen und danach ihre Erkenntnisse im Plenum teilen.
Kompetenzorientierte Lernziele
Die Lernenden formulieren eigene Meinungen und begründen diese.
Die Lernenden erkennen und reflektieren Entscheidungsprozesse im Schulalltag.
Die Lernenden benennen Möglichkeiten der Mitbestimmung im Umfeld Schule.
Konnex zum Lehrplan
Kompetenzorientierung
1. Kompetenzorientierung als pädagogische Grundlage des Lehrplans
[…] sind unter Kompetenzen längerfristig verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verstehen, die von Schülerinnen und Schülern entwickelt werden und die sie befähigen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen. […]
2. Kennzeichen kompetenzorientieren Unterrichts
Kompetenzorientierung verlangt ein besonderes Verständnis von Unterricht. Lernen wird als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden, bei dem die Motivation und Willenskraft und die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, sowie Zielvorgaben zu übernehmen, eine wichtige Rolle spielen. […]
Kompetenzorientierter Unterricht ist dadurch gekennzeichnet, dass […]
- Aufgabenstellungen im Lernprozess eingesetzt werden, die den Erfahrungen und der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler entsprechen;
- die aktive Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem jeweiligen Thema angestrebt wird (kognitive Aktivierung);
- handlungs- und anwendungsorientiert gelehrt wird, indem erworbenes Wissen zur Lösung von Problemen und zur Bewältigung von Anforderungssituationen genutzt wird; […]
- es eine Kultur der Selbstreflexion gibt, die den Schülerinnen und Schülern ihre erworbenen Kompetenzen bewusstmacht und ihre Lernmotivation weiter fördert; […]
- Schülerinnen und Schüler zu kritischem Denken angeregt werden.
Übergreifende Themen für AHS:
7. Politische Bildung
7.1 Bedeutung des übergreifenden Themas
Politische Bildung trägt maßgeblich zu einer partizipativen und inklusiven Gestaltung der Gesellschaft sowie zur Verwirklichung und Weiterentwicklung von Demokratie und Menschenrechten bei. […] Ein grundlegendes Ziel der Politischen Bildung besteht darin, „die Lernenden nicht nur mit Wissen, Verständnis und Kompetenzen auszustatten, sondern sie auch dazu zu befähigen, im Dienste der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in der Gesellschaft aktiv werden zu wollen“ (Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung, 2010).
7.2 Kompetenzziele am Ende der Sekundarstufe I
Die Schülerinnen und Schüler können
- unterschiedliche gesellschaftliche Strukturen, Machtverhältnisse, Interessen und Wertvorstellungen beschreiben sowie im Hinblick auf eigene Auffassungen bewerten;
- verantwortlich an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen im eigenen Lebens- und Erfahrungsbereich teilnehmen, demokratische Lösungen finden und sich damit selbst als aktiv Handelnde in der Gestaltung von Demokratie vertreten und erleben (z.B. im Klassenverband, in der Schülerinnen- und Schüler- oder Jugendvertretung).
Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände. Unterstufe.
Geschichte und politische Bildung
Bildungs- und Lehraufgabe (2. bis 4. Klasse):
Der Unterricht in Geschichte und Politische Bildung beschäftigt sich mit dem Zusammenleben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Schülerinnen und Schüler sollen dabei Erfahrungen und Fragestellungen aus ihrer Lebenswelt einbringen und im Unterricht daran arbeiten. […] Ziel des Unterrichts ist es, bei Schülerinnen und Schülern ein reflektiertes und (selbst-)reflexives Geschichts- und Politikbewusstsein zu entwickeln. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Demokratie, Grund- und Menschenrechten ist zu schärfen.
Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung
Politische Handlungskompetenz
– Demokratische Mittel zur Durchsetzung eigener Anliegen (z.B. Demonstrationen, Unterschriftenlisten, Flugblattaktionen, Petitionen) konzipieren und/oder anwenden, insbesondere Formen schulischer und außerschulischer Mitbestimmung
Kompetenzbeschreibungen und Anwendungsbereiche, Lehrstoff.
4. Klasse:
Politische Handlungskompetenz
Die Schülerinnen und Schüler können
– an Prozessen der politischen Willensbildung teilnehmen und getroffene Entscheidungen reflektieren.
Anwendungsbereiche
– Politische Mitbestimmung in Gegenwart und Zukunft […]
– Räume, Möglichkeiten und Strategien: politische Institutionen, außerparlamentarische Formen der Mitbestimmung – u.a. Aktionen von Bürgerinnen und Bürgern im öffentlichen Raum.
Quelle: Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schule.
Quellen
Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2025)